PRESSESPIEGEL

 
Sächsische Zeitung
Dienstag, 02. März 2004
 

 

An der Waldschänke nagt der Zahn der Zeit
Historisches Restaurant verfällt immer mehr / Bürgerverein will Sanierung
Von Vera Kliemann

Als Kind bin ich oft mit meinen Eltern nach einem Spaziergang durch die Heide in der Waldschänke eingekehrt“, sagt Ursula Steiger. Sie wohnt in Hellerau und ärgert sich, wie die Ruine der ehemals viel gefragten Gaststätte Am Grünen Zipfel immer mehr verfällt. Wer mit dem Auto in die Gartenstadt kommt, über den Moritzburger Weg oder die Straße Am Grünen Zipfel, hat das marode Haus als ersten Eindruck des Stadtteils vor Augen, ehe er das berühmte Festspielhaus von Heinrich Tessenow, den Markt von Richard Riemerschmid und die Reihenhäuser von H. Muthesius anschauen kann.

Gäste von damals: Rilke und Kafka

„Man ahnt kaum noch, dass dieses große Gebäude zum Ensemble des alten Hellerau gehörte und seine Traditionen bis zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts zurückreichen“, sagt Eva Siedel, die ebenfalls in Hellerau wohnt. Sie erlebte im Garten der „Waldschänke“ schöne Kindertage. Wer sich mit der Geschichte Helleraus beschäftigt, weiß, Berühmtheiten wie Rilke, Werfel und Kafka waren Gäste des Restaurants. Jetzt ist der denkmalgeschützte Bau so marode, dass es vorrangig um die Sicherung vor dem Zusammenstürzen geht. „Wir haben dafür gesorgt, dass die Fenster vernagelt wurden, der Laubengang nicht einfällt und die Mauer am Treppenaufgang notdürftig hält“, sagt Margit Springer vom Hellerauer Bürgerverein.

„Schon 1989 kümmerten wir uns beim damaligen Rat des Bezirkes um die baufällige Gaststätte, und alle, denen die ,Waldschänke‘ am Herzen liegt, waren froh, als ein Ehepaar aus München das Haus kaufen und sanieren wollte.“ Der Vater des Käufers hatte an der Kölner Werkbundschule studiert, an der ähnliche Reformideen verfolgt wurden wie im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in Hellerau. Fünf Jahre mühten sich die Münchner um die Baugenehmigung. Als sie erteilt war, begann der Bauherr mit der Schwammsanierung. Er plante, die historische „Waldschänke“ mit einem Hotelneubau zu verbinden. Dazu sollten Flächen dazugekauft werden, um Platz für parkende Autos zu schaffen. „44 Zimmer waren in dem künftigen Hotel geplant“, sagt Margit Springer. „Für die Banken bedeutete das nicht genügend Sicherheit, es hätten mehr Zimmer sein müssen.“ Nach dem langen Hin und Her verfiel die Baugenehmigung. Eine Münchener Immobilienfirma, die inzwischen Insolvenz anmeldete, wurde Eigentümer des Objekts. Das änderte nichts am Tatbestand, dass der Zahn der Zeit weiter an der Waldschänke nagte. Der Architekt Clemens Galonska von der Hellerauer Besucherinformation Am Markt 2 nahm Verbindung mit der Kanzlei auf, die den Nachlass der Firma verwaltet. „Es gibt Anzeichen, dass das Gebäude weiter verkauft wird“, sagt er. „Ob das ein Hoffnungsschimmer für die alte Waldschänke sein könnte, weiß allerdings niemand.“

Neuer Investor wird gesucht

Der Ortsamtsleiter von Klotzsche, Gottfried Ecke, freut sich darüber, dass sich der Bürgerverein so intensiv um das historische Gasthaus kümmert. „Wenn sich ein Investor findet, der aus diesem Schandfleck etwas Attraktives für Hellerau machen will, ist die Stadt gefragt, ihm eine Chance zu geben“, sagt er. „So lange können nur Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, dass niemand durch das verfallende Haus Schaden erleidet.“

 

 

 

 

Notdürftig sind die Eingänge der ehemaligen „Waldschänke“ verschlossen worden. Wer die Gartenstadt Hellerau besucht, fährt an dieser Ruine vorbei.
Foto: Steffen Füssel

   
Clemens Galonska · Architekt · Am Grünen Zipfel 84 · D-01109 Dresden Hellerau
fon +49 (0)351 888 18 01
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